1. Cystische Fibrose (Mukoviszidose) und T-Polymorphismen
Mittels Multiplex-PCR und anschließender reverser allelspezifischer Oligonucleotid (ASO)-Hybritisierung (Inno-LiPA CFTR 17+19) werden die 36 häufigsten in der mitteleuropäischen Bevölkerung vorkommenden Mutationen im CFTR-Gen diagnostiziert. Damit werden rund 94% des Mutationsspektrums erfasst und das Risiko für einen Patienten, Träger einer solchen Mutation zu sein, stark minimiert. Insbesondere bei klinischem Verdacht mit positivem oder grenzwertigem Schweißtest, Verwandtenehen und Familien, in denen ein Heterozygotenstatus wahrscheinlich ist, d.h. ein Betroffener mit Mukoviszidose vorkommt, ist diese Untersuchung indiziert.
Weiterhin wird bei entsprechender Indikation ein Test auf die sogenannten Splice-Site-Allele 5T, 7T und 9T im Intron 8 des CFTR-Gens durchgeführt. Polymorphismen in diesem Bereich in Kombination mit Mutationen im CFTR-Gen können Ursache für eine Vas deferense Aplasie beim Mann und damit eine Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit sein.
Der Test ist auch, falls erforderlich, in der pränatalen Diagnostik an Amnionzellen oder Chorionzotten möglich.
2. Faktor-V-Leiden-Mutation und Mutationen im Prothrombingen (Faktor II)
Diese üblicherweise für den Internisten, Neurologen oder Kinderarzt für die Thrombosediagnostik bedeutsamen Veränderungen der Blutgerinnungsfaktoren spielen auch für den Gynäkologen bei der Abklärung habitueller Abortursachen eine bedeutende Rolle, da sich Therapieansätze daraus ableiten lassen.
Von allen derzeit bekannten angeborenen Risikofaktoren für eine Thrombophilie ist der Faktor-V-Leiden (Synonyme:APC-Genotyp, FV Q506, FV R506Q, FV G1691A) mit einer Prävalenz von 5% in der Normalbevölkerung der häufigste. Heterozygotie für diese Mutation ist mit einem 5-10mal, Homozygotie sogar mit einem 50-100mal erhöhten venösen Thromboserisiko verbunden. Bei prädisponierenden Faktoren wie Schwangerschaft und Einnahme oraler Kontrazeptiva kommt es bei Genträgern häufig zur Manifestation von Thromboembolien.
Die Prothrombin-Mutation G20210A auf dem Chromosom 2 führt zu einer erhöhten Prothrombinkonzentration im Plasma. Die Häufigkeit beträgt 1-3%. Das Thrombose-Risiko von heterozygoten Genträgern ist gegenüber Personen ohne Mutation ca. 3mal höher. Homozygote Genträger wurden bisher nur vereinzelt gefunden.
15-40% der heterozygoten Träger der Faktor-V-Leiden-Mutation sind zusätzlich heterozygot für die Prothrombin-Gen-Mutation, wodurch das Thrombose-Risiko vermutlich deutlich ansteigt.
3. Polymorphismen im MTHFR-Gen (Methylentetrahydrofolat-Reduktase)
Die Methylentetrahydrofolat-Reduktase ist für die Methioninsynthese aus Homocystein verantwortlich. Bestimmte Polymorphismen im Gen für dieses Enzym sind mit einer Funktionsstörung des Enzyms assoziiert. Etwa 11% der Bevölkerung tragen einen solchen Polymorphismus.
Der C677T-Genotyp (C nach T Substitution an Position 677 des MTHFR-Gens) kommt in homozygoter Form bei rund 11% der Bevölkerung vor und führt in der Regel zu einer Homocysteinämie, die als Risikofaktor für venöse Thrombosen, Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen angesehen wird. Untersuchungen zufolge haben Mütter mit diesem Genotyp und fehlender Folsäuresubstitution während der Schwangerschaft ein um das siebenfache erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Neuralrohrdefektes.
Der A1298-Polymorphismus hat ebenfalls einen klinisch bedeutenden Effekt im Folatmetabolismus bei erniedrigter Folsäureaufnahme oder erhöhtem Verbrauch wie er in der Schwangerschaft während der Embryogenese (Zettenberg H. et al: "Increased frequency of combined methylentetrahydrofolate reductase C677T and A1298C mutated allels in spontaneously aborted embryos") auftritt.
Zur Abklärung habitueller Abortursachen sollte dieser Test deshalb in Ergänzung zur Bestimmung der Gerinnungsfaktoren V und II durchgeführt werden.
Untersuchungen haben einen Zusammenhang zwischen dem Genotyp TT im MTHFR-Gen und einer erhöhten Gefahr der toxischen Wirkung bei einer Behandlung mit MTX ergeben. Das wäre für eine antirheumatische Therapie oder Leukämiebehandlung von Bedeutung.
4. hereditäre Hämochromatose
Die Prävalenz der hereditären Hämochromatose (autosomal-rezessive Vererbung) ist mit 1:200 bis 1:400 in der mitteleuropäischen Bevölkerung sehr hoch und sicherlich im frühen Stadium der Symptome noch unterdiagnostiziert. Frühe Symptome, die an eine Hämochromatose denken lassen sollten, sind Leberveränderungen, Herzrhythmusstörungen, Dunkelfärbung der Haut, Arthropathien und Hypogonadismus. Ca. 80-90% der hereditären Hämochromatose wird durch eine Mutation im C282Y-Gen in homozygoter Form und 4-5% durch eine sog. Compound-Heterozygotie im C282Y- und H63D-Gen verursacht.
In seltenen Fällen wird eine hereditäre Hämochromatose durch die Mutationen S65C und E168X verursacht, die bei der Untersuchung miterfasst werden.
5. Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist die Ursache für das sog. familiäre Lungenemphysem, das im Jugend- und frühen Erwachsenenalter manifest wird. Durch diesen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist der Körper nicht in vollem Maße in der Lage, die durch Leukozyten (weiße Blutkörperchen) bei Entzündung der Lunge freigesetzte Elastase (Enzym, das bestimmtes Eiweiß abbaut) zu hemmen und diese Elastase bewirkt dann eine Zerstörung von elastischem Gewebe in der Lunge (Entstehung eines Emphysems).
Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kann auch Leberschäden verursachen, die bereits im Kindesalter Krankheitswert erlangen. Das erste Zeichen kann ein verlängerter Ikterus beim Neugeborenen sein.
Bei der molekulargenetischen Diagnostik werden die Mutationen im Codon 342 und Codon 264 des AAT-Gens (M,Z und S-Allel) getestet.
Der Alpha-1-Antitrypsinmangel kann durch eine Substitutionsbehandlung erfolgreich behandelt werden.
6. genetisch bedingte Laktoseintoleranz
Die häufigsten Symptome sind Flatulenzen, Abdominalschmerz und Diarrhoe, die infolge der nicht gespaltenen Laktose, die im Darm osmotisch wirkt, auftreten. Die ersten Symptome können in jedem Lebensalter auftreten. Am höchsten ist die Laktaseaktivität zur Geburt und reduziert sich bei Mutationsträgern anschließend auf ca. 5-10% der ursprünglichen Aktivität. Der Aktivitätsverlust ist abhängig von der ethnischen Zugehörigkeit und dauert bei Asiaten ca. 2-3 Jahre und verläuft bei Europäern etwas langsamer (ca. 15-20 Jahre).
Bisher sind im regulatorischen Bereich des Laktasegens (LCT)-Gen zwei Polymorphismen (C/T13910 und G/A-22018) beschrieben, die ursächlich mit einer sich nach dem Säuglingsalter entwickelnden Laktaseaktivitätsverminderung unterschiedlichen Ausmaßes assoziiert sind.
Es ist darauf hinzuweisen, daß mit diesem Test die sehr selten vorkommende kongenitale Form (Alaktasie) nicht diagnostiziert werden kann. Hierbei liegt oftmals eine Deletion des gesamten Gens vor.
Für die Durchführung aller genannten molekulargenetischen Tests ist lediglich ein Röhrchen mit EDTA-Blut (Blutbildröhrchen) und ein Überweisungsschein (Schein 6) erforderlich.
Diese genetischen Untersuchungen sind nicht budgetiert und belasten somit Ihr Laborbudget nicht!